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Fahrwerk und Technik

Posted in E 28

Sowohl wie für die Karosserie gilt auch für die Technik des E28: Dieser 5er ist ein solide gebautes Fahrzeug, das bei ordentlicher Pflege sehr hohe Kilometer-Leistungen und eine lange Nutzungsdauer erreicht. Dauereinsatz, Jahre und Kilometer bedingen jedoch naturgemäß Verschleiß an Fahrwerk und Technik:

Einige typische Mängel bei hohen Kilometer-Leistungen tauchen an den Fahrzeugen immer wieder auf. Es handelt sich hier jedoch um normalen Verschleiß, nicht um besonders anfällige Bauteile Diese sollte man überprüfen, denn wenn lange nichts mehr am Fahrzeug gemacht wurde oder überhaupt noch nicht, können sich die notwendigen Instandsetzungsarbeiten zu einem umfangreichen und damit teuren Paket summieren. Prinzipiell spricht nichts gegen höhere Kilometer-Leistungen, solche Fahrzeuge sind mir manchmal sogar sympatischer, vorausgesetzt es wurde alles instandgehalten und der Allgemeinzustand ist entsprechend gut.

Sicherlich werden Sie eine Probefahrt machen, achten Sie auf Lenkradflattern beim Bremsen. Sollte bereits während der Fahrt in bestimmten Geschwindigkeitsbereichen das Lenkrad zittern, so ist der Grund bestenfalls eine schlechte Auswuchtung der Vorderräder, das sich natürlich auch beim Bremsen bemerkbar macht. Ein weiterer Grund für Bremszittern können verzogene Bremsscheiben sein, der Grund könnte aber auch ein oder mehrere ausgeschlagene Querlenker sein, schlechte Federdomlager (oben auf dem Federbein), ausgeleierte PendelstützenSpiel in den Spurstangen oder den Spurstangenköpfen oder die Summe mehrerer Schäden. Hier tritt dann dieses Zittern verstärkt beim Bremsen auf und entwickelt sich in extremeren Fällen zu einem kaum noch zu beherrschenden Fahrzeugschütteln. Die Querlenkerbuchsen kann man in der Regel mit einem Montiereisen auf strammen Sitz oder Spiel prüfen. Einer oder mehrere der nicht ganz billigen Querlenker der Vorderachse, zumindest jedoch die Gummielemente, müssen dann ausgetauscht werden. Nächster Prüfpunkt sind die Spurstangen (bzw. deren Köpfe, die auch einzeln getauscht werden können wenn der Rest in Ordnung ist). Ein indifferentes Lenkverhalten mit viel Spiel ist meist der mittleren Spurstange (bzw. einer der äußeren) oder der Lagerung des Zwischenlenkhebels zuzuschreiben, seltener der Lenkung. Die Buchsen für den Mittellenkhebel sind als Ersatzteil bei BMW übrigens relativ günstig zu beziehen, oft kommen z.B. über Ebay gekaufte Teile inkl. der noch fälligen Versandkosten teurer!

Derzeit sind alle bei BMW verwendeten Reifengrößen noch lieferbar. Allein die TRX-Reifen (meist von Michelin) für die metrischen TD-Felgen sind etwas schwierig und vor allem nur sehr teuer zu beschaffen. Inzwischen werden diese von Michelin nachgefertigt, es wird dafür sogar eine ganz aktuelle Gummimischungen verwendet. Alternativ gab oder gibt es zumindest zeitweise ein Angebot von runderneuerten und alternativen TRX-Reifen. 

Zieht das Fahrzeug beim Bremsen nach links oder rechts (kann sich nach langem Stillstand nach dem Einbremsen dann wieder geben), dann hängt in der Regel ein Bremskolben fest, Überholung (mit einem Überholsatz) oder Austausch des/der betreffenden Bremskolben ist dann fällig. Vergessen Sie nicht die Bremsschläuche, diese quellen im Laufe der Jahre innen zu, bemerkbar macht sich das beim Bremsen, wenn das Fahrzeug erst in die eine, dann nach dem Lösen der Bremse in die andere Richtung zieht. Gegebenenfalls müssen Bremsscheiben und Beläge dann noch erneuert werden, die Bremsflüssigkeit sollte jährlich kontrolliert werden. Es gibt ein Meßgerät, welches die Dichte, also den mit der Zeit aufgenommenen Wasseranteil anzeigt. Bei hohem Wasseranteil sinkt der Siedepunkt, was bei langen Gefällstrecken böse enden kann. Austausch jährlich, mindestens jedoch im 3-Jahres-Rhythmus ist empfehlenswert.

Ab ca. 100.000 bis 200.000 Kilometer, je nach Fahrweise, Straßenverhältnissen und Zustand der übrigen Bauteile sollte man der vorderen Hinterachsaufhängung besondere Aufmerksamkeit widmen. Diese sind relativ einfach zu ersetzen, die Altteile sitzen jedoch mitunter sehr fest. Es sollten zwischen dem Stahlring des Hinterachsgummilagers und dem Rahmen mindestens einige Millimeter Luft sein, sonst sind die Gummis verbraucht und müssen ersetzt werden.

Das Getriebe ist wenig anfällig, je nach Bedienung kann es beim schnellen Gangwechsel krachen, dann ist der Synchronring des betreffenden Zahnrades defekt. Auch kann ein Getriebe jaulen, dann sind ein oder mehrere Lager defekt. Reparatur ist in beiden Fällen möglich, solange jedoch genügend komplette Getriebe günstig angeboten werden, ist einem Austausch der Vorzug zu geben. Achten Sie in diesem Fall auf die Getriebenummer bzw. aus welchem Modell dieses stammt (verschiedene Übersetzungen). Wenn Getriebeöl am hinteren Ende austritt, liegt es meist am hinteren Simmerring, der dann erneuert werden muss. Bei höherer Kilometer-Leistung ist öfters ein defekter (aufgeschlitzter) Schaltsack zu beobachten. Ersatz gibt es derzeit bei BMW noch in schwarz und einige andere Farben in Leder. Das deutet auf ein verbrauchtes Lager am unteren Ende des Schalthebels hin. Das Lager ist eingepresst und nicht einzeln erhältlich. Ein Tausch des Schalthebels ist ratsam, event. noch das vordere Übertragungslager des Gestänges über dem Getriebe. Starke Geräusche können auch durch eine defekte Dämmabdichtung um den Schalthebelschaft hervorgerufen werden. Insbesondere wenn auch noch die Schaltmanschette gerissen ist hört man deutliche Getriebegeräusche, die mit Erneuerung der Bauteile meist gänzlich verschwinden.

Sollte am Differenzial Öl auslaufen, so kann einer der Simmerringe undicht sein. Der Aufwand einer Reparatur ist etwas größer. Kontrolieren Sie in diesem Zusammenhang die Ankerplatten auf Rostschäden, den Zustand der hinteren Bremse, Bremsschläuche und das Handbremsseil, dann muss man nicht ein weiteres Mal ran. Mechanisch gibt es am Differenzial wenig Probleme, größerer Verschleiß kündigt sich durch Lastwechselschlagen an (gilt auch für verschlissene Hinterachsaufhängungen), ist aber selten und nur bei extrem hohen Kilometer-Leistungen. Auch dem Kardanwellenzwischenlager sollte man Aufmerksamkeit widmen, sollte dieses ausgeschlagen sein rumpelt oder schlägt der Wagen beim Lastwechsel.

Nicht ganz billig sind Auspuffanlagen, also auch hierauf achten. Kurzstreckenfahrten und kurzes Laufenlassen verkürzen die Lebensdauer beträchtlich.

Oft funktionieren die Instrumente nicht mehr oder die Zeiger schwanken. Hier sollten Sie zunächst den Instrumententräger ausbauen und die Elektrosteckverbindungen vorsichtig von einer feinen aber hinderlichen Oxidschicht befreien. Oft ist danach wieder Ruhe. Ansonsten lösen sich auch schon mal Lötstellen oder es sind die Akkus nicht mehr zu gebrauchen. Notfalls muss man ein Bauteil austauschen. Doch Vorsicht, nicht jedes Teil von jedem Modell passt, so gibt es Tachometer für unterschiedliche Übersetzungen, Drehzahlmesser mit unterschiedlichem roten Bereich und manches passt nicht zusammen (frühe und späte Baujahre). 

Eine gute Hilfe in allen Lagen sind die entsprechenden Reparaturanleitungen, im "Doppel- oder Dreierpack" ergänzen sie sich in vielen Bereichen. 

 

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